die Geschichte von Gideon - nachzulesen in Richter 6+7

kreativ dargestellt: Theater | Pantomime | Playmobil

Die Midianiter unterdrücken Israel

Die Israeliten taten, was der Herr verabscheute. Da ließ er die Midianiter sieben Jahre lang über sie herrschen.

Die Israeliten wurden von ihnen so schwer unterdrückt, dass sie sich in Felsklüften, in Höhlen und auf den Bergen verstecken mussten. Immer wenn sie ihre Felder in der Ebene bestellt hatten, kamen die Midianiter, die Amalekiter und die Beduinenstämme aus dem Osten, machten sich im Land breit und vernichteten die ganze Ernte bis nach Gaza am Mittelmeer. Sie ließen nichts übrig, wovon das Volk Israel sich ernähren konnte, und raubten auch alle Schafe, Ziegen, Rinder und Esel.

Mit ihren Herden und Zelten fielen sie wie ein Heuschreckenschwarm über Israel her. Niemand konnte sie und ihre Kamele zählen. So drangen sie immer wieder ins Land ein und verwüsteten es.

Die Israeliten gerieten dadurch tief ins Elend. Als sie zum Herrn um Hilfe schrien, sandte er einen Propheten zu ihnen, der verkündete: "So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe euch aus der Sklaverei in Ägypten befreit und hierher gebracht. Aus der Gewalt der Ägypter und aller anderen Unterdrücker habe ich euch gerettet. Ich vertrieb sie und gab euch ihr Land. Damals sagte ich zu euch: 'Ich bin der Herr, euer Gott. Verehrt nicht die Götter der Amoriter, in deren Land ihr wohnt.' Aber ihr habt nicht auf mich gehört!"

Der Herr beruft Gideon

Der Engel des Herrn kam nach Ofra und setzte sich unter eine Terebinthe auf dem Grundstück, das Joasch gehörte, einem Mann aus der Sippe Abiëser. Joaschs Sohn Gideon drosch gerade Weizen in einer Kelter, um das Getreide vor den Midianitern in Sicherheit zu bringen.

Da erschien ihm der Engel des Herrn und sagte: "Der Herr steht dir bei, du starker Kämpfer!"

Gideon erwiderte: "Ach, mein Herr, wenn Gott uns wirklich beisteht, warum geht es uns dann so schlecht? Wo sind all die Wunder, von denen unsere Eltern uns erzählt haben? Sie sagen, der Herr habe uns aus Ägypten befreit. Aber was ist jetzt? Er hat uns verlassen und den Midianitern ausgeliefert!"

Der Herr sah Gideon an und sagte: "Ich gebe dir einen Auftrag: Geh, und rette Israel aus der Gewalt der Midianiter! Du hast die Kraft dazu!" "Aber wie soll ich Israel denn retten?", rief Gideon. "Meine Sippe ist die kleinste in Manasse, und ich bin der Jüngste in unserer Familie." Der Herr versprach: "Ich helfe dir! Du wirst die Midianiter schlagen, als hättest du es nur mit einem einzigen Mann zu tun."

Gideon entgegnete: "Ich habe es nicht verdient, dass du mich anhörst. Aber wenn du willst, dann gib mir bitte ein Zeichen, dass du Gott bist, der jetzt mit mir spricht.

Ich möchte dir eine Gabe holen. Bitte geh nicht weg, bis ich wiederkomme." Der Herr antwortete: "Ich bleibe, bis du zurück bist." Gideon ging ins Haus, nahm gut zehn Kilogramm Mehl und backte ungesäuerte Brote. Danach schlachtete er einen jungen Ziegenbock und bereitete ihn zu; das Fleisch legte er in einen Korb, und die Brühe goss er in einen Topf.

Nun brachte er das Essen hinaus zur Terebinthe und bot es dem Engel an. Doch der Engel sagte zu ihm: "Nimm das Fleisch und das Brot, und leg es auf den Felsen hier! Die Brühe gieß aus!" Gideon gehorchte. Der Engel des Herrn streckte seinen Stab aus und berührte damit das Fleisch und das Brot. Da kam Feuer aus dem Felsen und verzehrte das Essen. Zugleich verschwand der Engel.


Nun hatte Gideon keinen Zweifel mehr, er rief: "Herr, ich muss sterben, denn ich habe deinen Engel mit eigenen Augen gesehen!"

Da sprach der Herr zu ihm: "Hab keine Angst! Du wirst nicht sterben. Ich schenke dir Glück und Frieden." Gideon baute einen Altar und gab ihm den Namen: "Der Herr ist Friede." Er steht bis heute bei Ofra, der Stadt der Abiësriter.


Gideon zerstört den Altar Baals

In der folgenden Nacht sprach der Herr zu Gideon: "Nimm den siebenjährigen Stier deines Vaters, das zweitbeste Tier aus seiner Herde! Reiß den Altar Baals nieder, der deinem Vater gehört, und hau die Götterstatue der Aschera um, die dort steht! Dann bau für mich, den Herrn, deinen Gott, einen Altar an der höchsten Stelle eurer Bergfestung. Schichte das Holz der Statue darauf, und bring den Stier als Brandopfer dar!"

Gideon nahm zehn seiner Knechte mit und führte aus, was der Herr ihm befohlen hatte. Er tat es jedoch nicht am Tag, sondern in der Nacht, weil er Angst vor der Familie seines Vaters und vor den Männern der Stadt hatte.


Am frühen Morgen entdeckten die Bewohner der Stadt, dass der Altar Baals niedergerissen und die Statue der Aschera umgehauen war. Sie sahen auch den neuen Altar, auf dem Gideon den Stier geopfert hatte.

"Wer hat das getan?", fragten sie einander. Man forschte nach und fand schließlich heraus: "Gideon, der Sohn Joaschs, war es!" Da forderten die Männer der Stadt von Joasch: "Liefere uns deinen Sohn aus! Er muss sterben, denn er hat den Altar Baals niedergerissen und die Götterstatue umgehauen."

Joasch antwortete den Versammelten: "Wollt ihr etwa Baal verteidigen? Wollt ihr ihn retten? Wer für Baal kämpft, wird noch in dieser Nacht getötet! Wenn Baal wirklich ein Gott ist, dann soll er sich doch selbst dafür rächen, dass sein Altar zerstört worden ist."

Weil Gideon den Altar Baals niedergerissen hatte, nannte man ihn von da an Jerubbaal ("Baal soll sich an ihm rächen").


Gideon bittet Gott um ein Zeichen

Alle Midianiter, Amalekiter und die Beduinen aus dem Osten versammelten sich, überquerten den Jordan und schlugen ihr Lager in der Ebene Jesreel auf.   Da wurde Gideon vom Geist des Herrn ergriffen. Er blies das Horn und rief die Männer der Sippe Abiëser auf, ihm zu folgen. Er sandte auch Boten zum ganzen Stamm Manasse und zu den Stämmen Asser, Sebulon und Naftali. Sie folgten dem Aufruf und schlossen sich Gideons Truppe an. Gideon betete: "Bitte gib mir ein Zeichen, dass du Israel wirklich durch mich befreien willst, wie du es angekündigt hast.


Ich lege frisch geschorene Wolle auf den Dreschplatz. Lass doch morgen früh die Wolle vom Tau nass sein, den Boden ringsum aber trocken! Dann weiß ich, dass du Israel durch mich retten möchtest, wie du es gesagt hast." Was Gideon erbeten hatte, geschah. Als er am nächsten Morgen früh aufgestanden war, presste er den Tau aus der Wolle. Das Wasser füllte eine ganze Schale. Da sagte Gideon zu Gott: "Sei nicht zornig, wenn ich dich noch einmal um etwas bitte! Ich möchte es nur noch dies eine Mal mit der Wolle versuchen. Lass sie trocken bleiben und den ganzen Boden nass vom Tau sein." In der folgenden Nacht erhörte Gott wieder sein Gebet: Die Wolle allein blieb trocken, und auf dem Boden ringsum lag Tau.


Gott wählt Gideons Soldaten aus

In aller Frühe führte Gideon, den man auch Jerubbaal nannte, sein Heer zur Quelle Harod. Dort schlugen sie ihr Lager auf. Nördlich von ihnen im Tal lagerten die Midianiter am Fuß des Hügels More.

Der Herr sprach zu Gideon: "Du hast zu viele Soldaten! Diesem großen Heer will ich nicht den Sieg über die Midianiter schenken! Sonst werden die Israeliten mir gegenüber prahlen: 'Wir haben uns aus eigener Kraft befreit!' Ruf deshalb im Lager aus, dass alle, die Angst haben, umkehren sollen!" So verkleinerte Gideon sein Heer. 22.000 Mann machten kehrt, und 10.000 blieben zurück.


Doch der Herr sagte zu Gideon: "Es sind immer noch zu viele! Führ sie zur Quelle hinab. Ich will dort selbst noch einmal auswählen. Ich werde dir sagen, wer mit dir ziehen soll und wer nicht."

Gideon ging mit den Männern an die Quelle. Der Herr befahl ihm: "Alle, die das Wasser mit der Hand schöpfen und es dann auflecken wie ein Hund, stell auf die eine Seite! Auf die andere Seite lass alle gehen, die sich zum Trinken hingekniet haben." 300 Mann führten das Wasser mit der Hand zum Mund, alle anderen knieten zum Trinken nieder.


Da sprach der Herr zu Gideon: "Durch die 300 Männer, die das Wasser aus der Hand getrunken haben, werde ich Israel befreien und die Midianiter in deine Gewalt geben! Alle anderen sollen nach Hause gehen." Gideon entließ die Männer und behielt nur die 300 bei sich. Sie übernahmen die Vorräte und die Signalhörner der anderen. All dies geschah oberhalb der Talebene, in der die Midianiter lagerten.


Gideon schlägt die Midianiter in die Flucht

In der Nacht sprach der Herr zu Gideon: "Greif die Midianiter an! Ich gebe ihr Lager in deine Gewalt!

Wenn du aber Angst hast, dann geh vorher mit deinem Diener Pura hinunter und hör dir an, was sie dort reden. Das wird dir Mut geben, sie anzugreifen!" Da ging Gideon mit Pura zum Lager hinab und schlich sich an die bewaffneten Vorposten heran. Die Midianiter, Amalekiter und die vielen Beduinen aus dem Osten hatten sich im Tal ausgebreitet wie ein Heuschreckenschwarm. Ihre Kamele waren so zahlreich wie der Sand am Meer. Gideon kam ganz nahe an die feindlichen Soldaten heran und hörte, wie ein Mann zu seinem Kameraden sagte: "Ich muss dir etwas erzählen! Ich habe geträumt, dass ein riesiges Gerstenbrot in unser Lager gerollt ist. Es hat ein Zelt getroffen und umgerissen. Alles flog durcheinander und stürzte zu Boden." Der andere erwiderte: "Das kann nur eins bedeuten: das Schwert des Israeliten Gideon, des Sohnes Joaschs! Gott wird ihm den Sieg über uns Midianiter und unser ganzes Lager schenken!"

Als Gideon den Traum und die Deutung gehört hatte, warf er sich nieder und betete Gott an. Dann kehrte er ins israelitische Lager zurück und rief: "Los! Der Herr gibt die Midianiter in eure Gewalt!"

Er teilte seine 300 Soldaten in drei Gruppen und gab jedem Mann ein Signalhorn und einen Krug mit einer Fackel darin. "Stellt euch rings um das ganze Heerlager auf", befahl er, "und achtet genau auf das, was ich tue! Wenn ich mit meinen Leuten zu den Wachposten komme, blasen wir die Hörner. Sobald ihr das hört, tut ihr das Gleiche und schreit laut: 'Wir kämpfen für den Herrn und für Gideon!'"

Gideon erreichte mit seinen 100 Mann den Rand des Lagers, als die mittlere Nachtwache begann und die Posten gerade abgelöst worden waren. Da bliesen sie die Hörner und zerschlugen ihre Krüge. Sofort taten die Männer der beiden anderen Abteilungen das Gleiche. In der rechten Hand hielten sie die Hörner, in der linken die Fackeln und riefen: "Wir kämpfen für den Herrn und für Gideon!" Dabei blieben sie rings um das Heerlager stehen.

Die feindlichen Soldaten liefen durcheinander, schrien und versuchten zu entkommen.

Während die 300 Israeliten die Hörner bliesen, ließ der Herr überall im Lager Kämpfe unter den Verbündeten ausbrechen. Schließlich floh das ganze Heer in Richtung Bet-Schitta, Zereda, Abel-Mehola und Tabbat.  Gideon rief die Männer der Stämme Naftali, Asser und Manasse zusammen, um die Midianiter zu verfolgen.

Er sandte auch Boten zum Stamm Ephraim im Gebirge und ließ den Männern dort ausrichten: "Kommt herab, und stellt euch den Midianitern in den Weg! Besetzt die Wasserstellen bis nach Bet-Bara und die Übergänge des Jordan!"